2024-05
Unser Reiseziel:
IRLAND
Irish Folk, Burgen, nette Leute - manchmal etwas schräg, Pubs, grüne Hügel und steile Küsten - so soll Irland sein.
Wir sind gespannt!
DUBLIN
30.04.2024
TEMPEL BAR
Der gestrige zweieinhalbstündige Flug mit Air Lingus von Berlin nach Dublin war komfortabel, wir hatten die Plätze am Notausgang und konnten dank mehr Beinfreiheit unsere Beine ausstrecken. Einziger Nachteil: Mit Ausnahme der Handys musste absolut alles im oberen Gepäckfach verstaut werden. Statt des Strickzeugs hatte ich so nur ein Handy-Game vor der Nase.
Die Sicherheitskontrollen am Berliner Airport und auch in Dublin waren streng gewesen. Für uns erstmalig wurden Ausweis und Gesicht gescannt und digital abgeglichen. Irgendwie unschön, kam mir vor wie wahr gewordene Science-fiction. Big brother … meinte auch eine Frau neben mir.
Mit einem Express-Shuttlebus erreichten wir Blooms Hotel im Bezirk Tempel Bar. Es ist wohl das bunteste Hotel weit und breit. Graffiti als Schmiererei finden wir gruselig, doch so kunstvoll gefällt es uns sehr.
Ganz Tempel Bar ist so charmant, dass alle Touristen magisch davon angezogen werden. Hier reiht sich ein Pub an den nächsten, Musik an jeder Ecke. Die gute Stimmung wird nicht einmal durch Regenschauer getrübt und morbide Details erscheinen nicht hässlich, sie wirken charakterstark.
Für ein sehr spätes Mittagessen enterten wir unseren ersten irischen Pub, aßen bei Gitarrenklängen und knorrigem Gesang Pie, Muscheln und ich trank das erste Guinness meines Lebens.
Abends gab´s dann ein echtes Highlight: Im Hotel-Pub spielte ein Duo Irish Folk. Die Flötenspielerin ist unglaublich gut, ihr Name ist Cedar Dobson.
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Heute morgen wartet das erste irische Frühstück auf uns. Naaajaaa. Bereits im Treppenhaus zog der Geruch von gebratenem Speck und Würstchen in unsere Nasen. Nicht so ganz unser Ding und morgens ganz gewiss nicht. Viel Auswahl verbleibt uns am Frühstücksbüfett nicht.
Wir machen uns früh zu einem Dublin-Spaziergang auf den Weg. Erstes Ziel ist das geschichtsträchtige Castle of Dublin. Hier haben 700 Jahre britische Besetzung deutliche Spuren hinterlassen. Man kann sich gut vorstellen, wie in dem großen Innenhof Soldaten und Beamte von einem Gebäude ins nächste eilten. Der Blick in den Eimgangsbereich des Museums zeigt schwere Teppiche, übergoße Ölgemälde, eine breite präsentative Treppengeländer, schwermütig machende dunkle Möbel. Wir können uns letzendlich nicht zu einem Ticket entschließen.
Auf dem Weg zur St. Patrick`s Church kommen wir am mächtigen Komplex der Christ Church vorbei. Das Eintrittsgeld für einen Blick in das Innenleben der Kirche ist mit 15 €/p. P. allerdings auch mächtig und so setzen wir unseren Weg ohne Unterbrechung fort.
St. Patrick´s Cathedral ist sehr beeindruckend. Kunstvolle Fensterornamente, geflieste Mosaik-Böden, Statuen, Schnitzereien - alles sehr sehenswert.
Zum Gedenken an die irischen Gefallenen aller Kriege begegnet man im Mittelschiff vielen Details. Die symbolträchtige Gestaltung hinterlässt ein Gefühl der Bedrückung. Beispielsweise sind über den Gedenktafeln zu den Gefallenen die Originalfahnen angebracht, mit denen in die Schlacht gezogen wurde. An ihnen darf unberührt der Zahn der Zeit nagen und so sind manchmal nur noch einzelne Fäden des Gewebes zu sehen.
Auf dem Weg zum Moore Lane Market laufen wir über das Gelände des Trinity College. Gern hätten wir uns das angeblich schönste Buch der Welt angesehen, doch der Bereich ist derzeit gesperrt. Ebenso scheitert der Besuch der Markthalle. Ein Schild am Eingang verkündet, dass sie seit 2019 geschlossen ist.
Doch wir vermissen nichts. Auf unserem Weg zu einem Nepali, bei dem wir heute essen wollen, entdecken wir viele tolle Details.
GESCHICHTE UND IRISH FOLK
01.05.2024
GESCHICHTE
Heute ist unser letzter Tag in Dublin, wir wollen ins Auswanderermuseum EPIC. Der Weg verläuft am Liffey River entlang. Nur wenige hundert Meter davor gehen wir an einem monumentalen Gebäude vorbei. Das ist in Dublin nicht ungewöhnlich, denn an gefühlt jeder dritten Ecke ragt die Geschichte Irlands in den Himmel oder die Breite. Ungewöhnlich ist hier der Aufsteller mit der Aufschrift: Heute kostenfreier Eintritt, denn die Eintrittspreise für Museen liegen vielfach zwischen 15-20 Euro pro Person - und machen sich schnell in der Reisekasse bemerkbar.
Es ist das Custom House. Unser Reiseführer erwähnt dieses ehrwürdige Verwaltungsgebäude der Kommunalverwaltung und des Umweltministeriums inklusiv Besucherzentrum mit keinem Wort. An der Rezeption erhalten wir einen deutschsprachigen Audio-Guide und begeben uns auf einen sehr informativen Rundgang.
Das Gebäude wurde 1781/91 gebaut und diente viele Jahre als Zollamt, brannte 1921 nieder, wurde wieder aufgebaut und in den 1980er Jahren restauriert. Als Besucher erfahren wir etwas über die Architektur und Geschichte des Gebäudes am Hafen - dem Knotenpunkt des Handels und der Verwaltung. Alles ist sehr eng mit der Geschichte Irlands verknüpft, die hier sehr interessant und anschaulich dargestellt wird: Eine für den Großteil der Bevölkerung meist harte Zeit unter britischer Herrschaft, Osteraufstand 1916, 1919 Ausruf einer Republik, 1922 eine provisorische Regierung - ohne den Nordosten, dafür mit anschließenden Spannungen. Erst 1949 schied Irland nach drei Jahrhunderten britischer Herrschaft aus dem Commonwealth of Nations aus. Und erst 1998 machte das s.g. Karfreitagsabkommen den Spannungen zwischen Irland und Nordirland ein Ende.
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Das Auswanderermuseum EPIC folgt. Die Geschichte der Auswanderer ist auch hier interessant, ausführlich und zudem besucherwirksam aufbereitet.
Die Ausstellung endet mit der Vorstellung der Iren, die nach ihrer Auswanderung zu weltbekanntem Ruhm kamen.
Abends geht´s in Gogarty - nach Maries Empfehlung der Pub schlechthin. Hier geht bei live Irish Folk die Post ab, wie man so schön sagt. Ein Rhythmus, bein dem man mit muss ;)
AUF ZUR RUNDREISE
02.05.2024
Gegen Mittag holen wir unsere Mietwagen, einen Seat Ibiza, Automatik und starten nach Waterford im Süden. Fritz übernimmt den Fahrersitz und ich habe nichts dagegen einzuwenden, wenn das so bleibt. Das Fahren auf der "falschen Seite" und auf den engen Straßen ist bereits als Beifahrer aufregend.
Im südlichen Waterford haben wir uns für drei Nächte im B&B Ashley House eingemietet. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt durch kaltes Nieselwetter werden wir herzlich von Phyllis begrüßt. Zimmer und Bad sind groß, das Haus ist sehr traditionell, plüschig und mit Liebe zum Detail eingerichtet.
Ein Spaziergang durch Waterford soll den Tag abschließen. Der Gang durchs Zentrum ist allerdings wenig überzeugend. Der nagende Zahn der Zeit ist nicht zu übersehen. Oder ist es vielleicht das nasse graue Wetter, das uns aufs Gemüt drückt?
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Unser Abendbrot kaufen wir bei Aldi. Etwas Käse, Salami, Butter und ein dunkles Brot.
Fette Würste oder Speck zum Frühstück, Fastfood & Fritiertes überall, Pizza auf industriell hergestelltem Teigfladen ohne Tomatensoße. Irische Spezialitäten geschmacksneutral oder fettig. Selbst Miesmuscheln werden in dicker weißer Sauce serviert.
Kurzum: Das Essen ist hier so schlecht, dass wir auf Selbstversorger umsteigen werden. Den Abend verbringen wir auf der Suche nach zwei AirBnB-Unterkünften mit Kochgelegenheit und buchen für den Rest der Reise.
AB INS MITTELALTER
03.05.2024
Cahir Castle ist nur 45 Minuten Fahrtzeit von Waterford entfernt. Bereits vom Parkplatz aus beeindrucken die hohen Mauern hinter dem Wassergraben. Die Wände sind hoch bewachsen und Gänse brüten dort im Efeudickicht. An einer kleinen Brücke zum Festungsgarten stehen zwei uralte riesige Bäume. Der eine ist mir völlig unbekannt. Kleine Blätter wie ein Rhododendron, ist aber keiner.
Als Besucher bekommt man eine 15-minütige Videoeinführung, darf in die Türme der mittelalterlichen Festung hinaufsteigen, durch den Bankettsaal gehen und auch ein Kellerverlies besichtigen. Durch den gut erhaltenen Zustand kann man sich ungefähr vorstellen, wie hier in alten Zeiten gelebt wurde.
Beim Verlassen frage ich die Dame am Ticketschalter nach dem unbekannten Baum. Sie weiß es auch nicht, ruft aber sofort jemanden um Hilfestellung an. Acer lautet die Antwort.
So lautet der botanische Name unseres Fächerahorns. Der sieht ganz anders aus, es scheint also verschiedene Arten zu geben. Wir haben schon fast die Straße erreicht, als die nette Mitarbeiterin rufend hinter uns herrennt. Die Antwort sei falsch gewesen. Der Baum sei eine Evergreen Oak. So etwas Nettes ist mir selten passiert!
Bei Wiki schaue ich dann später nach: Die immergrüne Eiche ist eine englische Kreuzung aus Stieleiche und Steineiche, auch Turners Eiche genannt.
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Die Burg auf dem Rock of Cashel ist älter und in weniger gut erhaltenem Zustand. Innenräume sind nicht zu besichtigen, doch die Ruine ist um ein Vielfaches höher und auch größer. Ein beeindruckendes Monument mit vielen Grabplatten, einem großen Friedhof und Krähen, die ihre Nester in den Wänden angelegt haben. Sie kreisen bei dem Nieselwetter über der Ruine und das sieht schon ein wenig gruselig aus.
Auf dem Friedhof entdecken wir einen Grabstein der Familie Kennedy. Im EPIC-Museum in Dublin wurde John F. Kennedy als Nachkomme irischer Auswanderer aufgeführt. Vielleicht ist dies ein Grabstein seiner Vorfahren?
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MEER :)
04.05.2024
Auf Empfehlung unserer Vermieterin Phyllis machen wir eine Küstenwanderung bei Dunmoore East und anschließend am Hook Lighthouse.
Es tut gut, am Wasser zu sein, Innenstädte haben wir momentan genug gesehen. Wir lassen wir uns viel Zeit und streichen die Stadt Wexford aus unserem Programm.
Nachtrag zum irischen Essen: Heute bestellte ich unterwegs nur Pommes, weil ich dachte, da könnte nix schief gehen. Ich erhielt sie ohne Salz und als ich danach fragte, verwies man mich an einen Spender, aus dem ein Strahl von 0,5 cm Durchmesser rausschoss. Das Salz verteilte sich daraufhin klumpenweise in der Tüte.
Endgültig glatte 6.
WILDE ATLANTIC WAY
06.05.2024
Baltimore ist die südlichste Stadt Irlands und war gestern unser Ziel. Wir haben uns den schönen Küstenweg gegönnt, sind mehrfach angehalten, um etwas zu laufen und den Blick auf Felsen und Meer zu genießen. Erst nachmittags erreichten wir unsere B&B-Unterkunft mit schönem Blick auf das Wasser. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg in den netten Ort und steuerten nach einem kleinen Rundgang Rolfs Restaurant an, das wir im Netz entdeckt hatten. Hier sollte es richtig gutes Essen geben. Gab´s auch. Mit drei Sternen und dem entsprechenden Preis. Wir kehrten trotzdem nicht um, sondern genossen die erste schöne Mahlzeit nach einer Woche Irland.
Trotz der sehr engen Fahrbahnen fahren wir heute wieder direkt an der Küste entlang - auf dem Wilde Atlantic Way. Wir stoppen wieder ab und an. Mal für einen kleinen Spaziergang durch den Wald, an einigen Aussichtspunkten für ein Fotos, bei Molly Gallivans Cottage für einen Kaffee und einen Plausch mit zwei Frankfurtern.
Unsere AirBnB-Wohnung auf einem Hof in Beaufort - das ist ca. 7 Kilometer von Kilarney entfernt - ist geräumig, die Vermieterin Ellie sehr freundlich. Wir werden mit einem Tablett Leckereien begrüßt. Frische Eier, Corn flakes, Sekt, Blumen.
Ein Tipp von Ellie ist der Aussichtspunkt Gap of Dunloe, Startpunkt für mehrere Wanderrouten. Wir treffen dort auf dem Weg zu einem See einen Iren in Begleitung einer Polin, erhalten noch mehr gute Tipps und fotografieren die eindrucksvolle Landschaft, zuletzt mit einem Brautpaar in weiter Ferne, die als kleine weiße Punkte am Seeufer aus der Landschaft herausleuchten.
Besonders und bemerkenswert in Irland: Die Menschen sind sehr nett und man kommt hier sehr schnell ins Gespräch.
RING OF KERRY
07.05.2024
Die berühmte Panoramastraße Ring of Kerry beginnt und endet in Killarney und verläuft einmal um die Halbinsel zwischen der Kenmore und der Dingle Bay.
Im Reiseführer ist zu lesen, dass die Tour von den meisten gegen den Uhrzeigerzeit gefahren wird. Warum das so ist, verstehen wir erst unterwegs. Die Straßen sind nämlich oft so eng, dass sie nur noch einspurig befahrbar sind. Würden hier zwei Busse aufeinander zufahren, gäbe es kaum ein Vor oder Zurück mehr.
Da wir meinten, weniger Verkehr in der anderen Richtung zu haben, starten wir entgegengesetzt und fahren zuerst durch den Killarney Nationalpark. Unser erster Stopp ist bei Muckross House & Garden, einem Herrenhaus aus dem Mittelalter mit einem herrschaftlichen Park und finden Baumriesen und Rhododendren in einer Größe vor, wie wir sie selten gesehen haben.
Die Vegetation in Irland erstaunte uns von Beginn an. Es gibt hier nur sehr selten Frost und so sahen wir bereits in Dublin Palmen auf den Balkonen und später auf dem Land in jedem zweiten Garten. Die Wälder sind wunderschön - mit moosbedeckten Ästen und Waldböden mit Teppichen aus Moos und Farnen. Aus jeder Ritze der Felsbrocken wachsen Blumen und Gräser. Die Bäume sind sehr alt, riesig und knorrig gewachsen. Was bei uns eher Strauch ist, ist hier Baum mit stattlichem Stammumfang. Ich habe noch nie so große Ilex gesehen wir hier. Daneben wachsen wilde Rhododendren wie im Himalya und Teppiche blühender Steingarten-Polsterpflanzen, die wir bei uns für viel Geld in kleinen Töpfen kaufen.
Nach dem Muckross Garden fahren wir die Panoramastraße ab und halten hier und dort an, um den schönen Blick oder auch mal Strandabschnitt zu genießen.
DELFINE
08.05.2024
5.30 Uhr ist im Urlaub eine unwirkliche Zeit zum Aufstehen, doch heute ist Delfinwatching gebucht und dafür lohnt sich jede Unannehmlichkeit!
Wir fahren eineinhalb Stunden bis zum Ablegepier in Ventry - das ist fast am Ende der Halbinsel Dingle und steigen mit knapp zwanzig weiteren Passagieren in ein kleines Boot. Der spätere Ausstieg wird etwas umständlicher werden, denn ca 5 Meter abfließendes Tidenwasser während der Fahrt macht das Umsteigen in ein kleines Beiboot erforderlich, um an Land zu gelangen.
Vier Stunden dauert die Tour und wir treffen auf eine große Familie Define, sehen eine Seehundkolonie und entdecken ein paar vereinzelte Papageientaucher.
Auch die Landschaft ist sehenswert, teils mit großen Wolkenformationen am Horizont, vereinzelten Häusern auf einsamen Inseln und bizarren Felsformationen in der Ferne.
Für mich ein Highlight unseres Urlaubs.
Nach kurzem Aufenthalt im Ort Dingle wählen wir den gleichnamigen Panoramarundweg über den Connor-Pass als Heimweg nach Beaufort.
WILDLIFE & HANDYSTRESS
09.05.2024
Der Killarney National Park hatte uns bei der Panoramatour Ring of Kerry und dem Gap of Dunloe sehr gut gefallen und so werden wir die nächsten Tage dort wandern. Heute starten wir im äußersten Westen des Nationalparks zu einer 7-Kilometer-Wanderung mit 190 Höhenmetern durch einen sehr alten Eichenwald.
Der Waldboden und viele Bäume sind mit Moos bewachsen - das sieht sehr verwunschen aus. Ähnliches kennen wir nur aus Schweden oder Island und wir fragen uns, ob die Iren auch an märchenhafte Trolle glauben. Vorstellbar wäre es... Viele uralte Ilex wachsen hier und ihr Blätterdach bildet die erste Ebene vor dem darüberliegenden Blätterdach der knorrigen alten Eichen und anderen Bäume.
Ebenso verwunschen - oder zumindest sehr ungewöhnlich- ist nach einigen hundert Metern die Sichtung von zwei Rehen, die am Wegrand äsen. Sie lassen uns bis auf zehn oder zwanzig Meter herankommen, bevor sie wegspringen und sich in Sicherheit bringen.
An einem Wasserlauf führt der Weg steil über viele Stufen zum Ufer des Sees herunter und wir können vom Ufer in der Ferne das Muckross House sehen, bei dem wir auf der Ring of Kerry-Tour angehalten hatten. Tja- und anschließend fällt mir nach einigen hundert Metern und etlichen Höhenmetern auf, dass ich mein Handy wohl am Ufer habe liegen lassen. Wir drehen sofort wieder um, Fritz telefoniert mit dem Finder, spurtet zurück und bald habe ich das Teil wieder in den Händen. Ähnliches war mir brreits beim Start in den Urlaub passiert. Wir standen in Berlin Kaulsdorf bereits an der Unterführung zur S-Bahn, als Sebastian mit dem Fahrrad abrupt neben uns bremste. Ich hatte es bereits dort schon das erste Mal bei Sebastian und Michéle vergessen.
Zum Ende der Wanderung erleben wir nochmals eine sehr ungewöhnliche Begegnung mit einem jungen Reh. Zuerst stand es in der Ferne am Wegrand, dann konnten wir bis auf eineinhalb Meter herangehen, ohne dass es weglief und anschließend ging es sogar mit mir zusammen weiter den Weg hinunter.
Mir ist Ähnliches vor vielen Jahren bei einem Spaziergang mit Brenda durch den Brekendorfer Forst passiert. Da liefen völlig unvermutet zwei kleine Rehe eine Zeitlang in wenigen Metern Entfernung von uns parallel zum Weg mit. Ein Jäger erklärte mir die Situation später damit, dass es sich um die Kitze aus dem letzten Jahr handele, die von ihrer Mutter verstoßen wurden, weil der neue Nachwuchs bereits im Anmarsch war. Doch manche Einjährigen sind eigentlich noch nicht flügge und suchen dann Nähe - ggf. zum Menschen.
Unsere Vermieterin Ellie hatte übrigens noch nichts von solchen nahen Begegnungen gehört und fand unsere Fotos sehr erstaunlich.
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Erstaunlich
BAUMRIESEN
10.05.2024
Heute starten wir beim Muckross House im Killarney National Park und wandern zehn Kilometer um den See herum. Ein Großteil des Weges führt durch den Wald mit Baumriesen von Kiefern, Eichen, Ilex, Lebensbäumen und Eiben, dazwischen wild wachsenden lila Rhododendren. Nach der Hälfte des Weges kommen wir an einem Cottage vorbei mit einem großen Kamelienbaum und Rhodendren in vielen verschiedenen Farben.
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VORSCHAU AUF MORGEN
11.05.2024
Heute ist unser letzte Tag in Beaufort und die letzte Chance, einem Tipp unserer Vermieterin Elli zu folgen. Wir fahren 70 Kilometer zur Insel Valentia und genießen von den Klippen und Bergen atemberaubende Blicke über Land und Meer. Klippen in dieser Schroffheit haben wir eigentlich erst für morgen erwartet, wenn wir auf dem Weg zur Ferienwohnung zu den Cliffs of Moher fahren.
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CLIFFS OF MOHER
12.05.2024
Wir starten bei Nieselregen in Richtung Cliffs of Moher, den berühmten längsten und höchsten Klippen in Irland. Sie sind Zwischenstation auf unserem Weg zu unserer letzten AirBnB-Ferienwohnung in Oranmore nahe Calway, bei der wir erst ab 18.00 Uhr einchecken können.
Waren es noch zwei oder drei Kilometer bis zum Ziel? Ich weiß es nicht mehr. Ich sah in der Ferne einen riesigen Fleck, der aus unzähligen Autos zu bestehen schien, vermutete ein Festival oder ähnliches und fragte: "Um Gottes Willen, was ist das denn? Der realistische Fritz grinste und antwortete: Cliffs of Moher und er hatte Recht.
Die Klippen sind wirklich sehr beeindruckend und natürlich kann man bei einer Sehenswürdigkeit dieser Größenordnung nicht weniger Leute erwarten als sich dort eben nun mal tummelten.
Wir dachten allerdings an unseren gestrigen Ausflug zu den Klippen der Insel Valentia zurück. Sie waren nur mit zwei aufsteigenden Kilometern Fußmarsch zu erreichen und bei weitem nicht so lang, aber fast ebenso hoch und eigentlich atemberaubender durch die Naturbelassenheit. Deren Besucher waren so wenig, dass man sich freundlich grüßte oder sogar ein paar Worte wechselte und der Parkplatz kostete zwei statt nun zwanzig Euro. Letzteres verbilligt für Senioren, wobei ich geschummelt habe und mich als 65-Jährige ausgegeben habe. Erschreckend übrigens, dass man mir das ohne Nachfrage geglaubt hat...
Abends landen wir in der besten AirBnB-Unterkunft, die wir je hatten: Ein Haus mit Meerblick, sehr sauber, sehr gemütlich eingerichtet, mit perfekt ausgestatteter Küche nebst in einer Plastiktüte eingepacktem neuen Schwamm und Wischtuch ;) Der Vermieter Rory spritzt bei unserer Ankunft gerade seine Schotterwege mit RoundUp sauber - das wird hier ständig und überall praktiziert -, begrüßt uns sehr nett und warnt uns vor den verwilderten Katzen.
Wir erobern schnell das Haus und machen es uns mit einem Glas Wein, Strickzeug und unserem Hörbuch gemütlich.
GALWAY
13.05.2024
Und noch einmal Stadt: Galway ist nur eine kleine Stadt mit knapp 80.000 Einwohnern, doch Latin Quarter steht dem Dubliner Tempel Bar in Sachen Charme nichts nach. Die Gebäude sind nicht so groß wie in Dublin, doch hier reiht sich - wie in allen kleinen Orten - ein typisch irisches Gebäude ans nächste. Pubs, Giftshops, Irisch woolen market, Restaurants, kunstvolles Graffiti und als besonderes Highlight mehrere Chocolaterien mit so kunstvoll gestalteten Petit fours, Tartes, eindrucksvollen Schokoladenschafen, Trüffeln, frischem Kaffee mit kleinen Mini-Marshmellow als Deko und mehr, dass ich hochachtungsvoll meinen Hut ziehe. Das Design macht hier den Geschmack zur Nebensache.
Abends machen wir einen Spaziergang zu einer verfallenen Burgruine, die wir von unserem Häuschen aus in der Ferne sehen. Leider verbietet ein Schild das Betreten des Geländes. Und so sehen wir nur von der Straße auf die kreisenden Krähen und Mauerreste, die vom Efeu fast überwuchert sind. Würde es hier spuken - es würde uns nicht wundern ;)
WANDERTAGE
16.05.2024
Die Ortschaft Cong liegt an einem See inmitten eines großen Waldgebietes und wir hatten uns vorgestern über Komoot eine neun Kilometer lange Runde ausgesucht. Eine Überraschung gab´s am Ende. Ein elegantes Schild mit Wappen wies darauf hin, dass man nun Privatbesitz betreten würde. Hunde müssten an die Leine, Hinterlassenschaften mitgenommen werden, Wild dürfe nicht gefüttert werden, Müll nicht liegenlassen, usw. Die Liste war lang und enthielt sogar die Aufforderung, angemessene Kleidung zu tragen. Der Weg führte uns uns dann irgendwann aus dem Wald heraus, kamen an zwei Tennisplätzen vorbei und wir landeten im unfassbar großen Schlossparkgelände des Hotels Ashford Castle. Vor dem Eingang Diener in Livree, vor dem Schlossgraben und den zwei Eingangsrundbögen an den Enden der Brücke Bedienstete, ein Hubschrauberlandeplatz und eine gepflegte Rasen- und Gartenanlage, die sicherlich ein Heer von Gärtnern benötigt. Eine Übernachtung mit Frühstück inkl. vorgewärmten Handtüchern, Bettwäsche aus ägyptischer Baumwolle mit Schlosswappen, Obstkorb, Rundumservice und was man sonst so im Leben braucht, kostet hier nur 985 €. Bei dem Ambiente sicherlich ein Schnäppchenpreis ;)
Gestern nahmen wir den Küstenweg bis zur Ortschaft An Cheathtrú Rua und drehten eine große Runde durch Dünen- und Felsenlandschaft. Hier sind alle Namen nicht mehr aussprechbar für uns, die Beschilderungen sind ausschließlich in irischer Sprache.
An unserem heutigen letzten Tag fahren wir bis zum Connemara Nationalpark, drehen eine kleine Runde durch den Wald, genießen die weite Landschaft, die an die Hardangervidda in Norwegen erinnert und nehmen zum Schluss einen Wanderweg, der in 210 Meter Höhe einen schönen Rundumblick bietet.
Morgen geben wir das Auto in Dublin zurück und am Samstag geht´s wieder nach Hause :)