2024-02
Unser Reiseziel:
MADEIRA
Wir wollen dem üblicherweise trüben Februar Norddeutschlands und dem Winterende ausweichen. Diesmal geht es nicht Richtung Norden, sondern auf die portugiesische Insel Madeira. Ob auch im Februar schon Blumen auf der Blumeninsel blühen?
ANFLUG MADEIRA
15.02.2024
Schon am frühen Morgen sitzen wir auf dem Hamburger Airport, schauen auf das regennasse Flugfeld und trinken unseren ersten Urlaubskaffee.
Gegen 8.30 Uhr startet der Condor-Flieger in den grauen Himmel - unser erster Flug seit Corona. Es dauert eine ganze Weile, bis wir über den Wolken sind und endlich Sonnenschein erreichen. Viereinhalb Stunden später kommt die Stelzen-Landebahn Madeiras in Sicht. Die Landung ist für Piloten wohl eine besondere Herausforderung.
Wir steigen bei milden 22°C und frischem Wind aus, treffen sekundengenau auf unseren Shuttlebus zum Autovermieter, nehmen einen kleinen Opel Corsa in Empfang und starten zu unserer AirBNB-Wohnung in Paul do Mar. Durch viele Tunnel geht es an der Küste entlang. Noch ein Einkauf in Ribeira Brava mit neuartigen Früchten und sehr niedrigen Fischpreisen, weitere Tunnel und dann landen wir im historischen Ortsteil des kleinen Ortes Paul do Mar mit 450 Einwohnern.
Die Wohnung liegt direkt am steinigen schwarzen Strand, die Brandung tobt, die Dachterrasse ist ein Gedicht, der Sonnenuntergang unbezahlbar, die Pflanzen teils völlig unbekannt und dies alles lässt das zu kleine Bad und die minimalisierte Küchenausstattung unwichtig werden.
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PAELLA, PARAGLIDING UND 23°C
16.02.2024
Wir erkunden die nähere Umgebung und landen gegen Mittag im Nachbarort Madalena de Mar. Der Ort ist auf den ersten Blick so ursprünglich wie Paul do Mar, nur wenige Neubauten. Doch hier treffen wir beim Mittagessen auf einige Touristen der First Class. Sportwagen, junge Frau mit altem Kerl, richtig schöne Mode, höhere Preise für unser Mittagessen, aber trotzdem noch alles sehr nett.
Über uns kreisen Paraglider, die ihre Passagiere sehr gezielt am sehr kleinen Landeplatz am Strand wieder zu Boden bringen.
Anschließend schauen wir nochmals im Supermarkt vorbei, denn einige Kleinigkeiten der Küchenausstattung müssen wir unbedingt ergänzen. In Calheta stoppen wir, entdecken eine Badebucht, eine lange Touri-Promenade, excellentes Eis und buchen einen Platz zum Delfin-Watching am Montag.
Der abendliche Sonnenuntergang wird fest gebucht ;)
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LEVADAS AB RABACAL
17.02.2024
Gestern hatten wir auf dem Nachhauseweg Ohropax gekauft und ich habe damit sehr gut geschlafen. Die Brandung und das Klackern der schwarzen Lavasteine beim Zurückrollen der Wellen vor unserem Schlafzimmerfenster ist wirklich sehr laut.
Heute machen wir unsere erste Wanderung an den Levadas. Diese gemauerten Wassergräben sind das seit Jahrhunderten bewährte Bewässerungssystem der Insel. Aus den Bergen wird das Wasser zu den Feldern auf den seeseitigen Abhängen geführt. Über viele Absperrtore regelt der Levada-Beauftragte die individuelle Wasserzufuhr. Er kontrolliert zudem die Gräben und so führt immer ein Pfad an den Wassergräben entlang. Diese Wege sind beliebte Wanderrouten.
Startpunkt für den 11km-Weg Levado dos 25 frontes (Quellen) ist der Rabaçal-Parkplatz in 1278 m Höhe. Die geplante Wanderroute führt durch die Lorbeerwälder Madeiras, die zum Weltnaturerbe gehören. Unser Opel Corsa schafft die 20% Steigungen nur im ersten Gang. So tuckern wir mit 30 km/h den Berg hinauf. Der Blick über das Meer ist traumhaft, der Parkplatz ist rappelvoll.
Bis zu den Lorbeerwäldern geht es zuerst angeblich 1,7 km abwärts bis zu einer kleinen Raststätte. Ich schreibe angeblich, weil offensichtlich jeder, der den Weg gegangen ist, hinterher davon überzeugt ist, das er ein ganzes Ende länger ist als angegeben. Vielleicht um niemanden abzuschrecken?
Wir verspeisen auf dem Hof der Raststätte unsere Stullen und begeben uns auf die Suche nach den 25 Quellen. Es geht sehr beschwerlich über unregelmäßige Steinstufen und Sandabschnitte mit Wurzelwerk steil bergab. Ohne meine Trekkingstöcke wäre ich aufgeschmissen, es ist sehr anstrengend für unsere Lübeckmuskulatur.
Die Lust verlieren wir nach 3/4 des Weges, machen auf einer Brücke Rast und kehren wieder um. Nach 316 Stufen Anstieg bis zur Raststätte gönnen wir uns einen Eiskaffee und genießen die Pause. Um uns herum huschen viele Eidechsen und Vögel. Die Finken sind hier so verfressen und zutraulich wie die Spatzen bei uns.
Nach der anstrengenden Wanderung lassen wir uns von einem kleinen Shuttle-Tansporter zum Parkplatz mitnehmen. Der Rückweg nach Paul do Mar über die Berge bietet weite Ausblicke, wir sind hier tatsächlich über den Wolken.
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STÜRMISCH
18.02.2024
Wir machen eine Rundtour durch den Norden der Insel. Zuerst an der Küste entlang, wieder steil nach oben. In Pargo steht ein schöner Leuchtturm und man kann 305 Meter über der Abgrundkante das Meer unterhalb der Steilküste toben sehen.
Weiter geht´s zur Caminho do Teleferico, der steilsten Seilbahn Europas. Die Straßenführung dorthin ist abenteuerlich, ich wünsche mir mehrfach Leitplanken, auch wenn Fritz sehr souverän die Strecke meistert. Die Seilbahn ist außer Betrieb - vermutlich wegen des Sturms. Ist in jedem Fall egal, nach einem Blick in die Tiefe wären wir beide nicht mitgefahren.
Und dann kommt Porto Moniz! Ein Highlight mit Felsformationen vor der Küste, Badebecken, die mit Meerwasser überflutet werden und tosenden Wellen, die beim Zurückfluten aufeinandertreffen und phantastische Wasser- und Gischtfontänen zaubern. Es fällt uns schwer, den Blick davon zu lösen.
Der Rückweg führt über die Berge, die Wolken sind wieder unter uns und auf dem Weg nach unten fahren wir durch sie hindurch.
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DELFINE
19.02.2024
Mit dem Schnellboot geht es heute ab Calheta Richtung Meer. Die Fahrt allein ist ein Genuss.
Und dann finden und genießen wir sie: Delfine auf der Jagd.
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LEVADA-WANDERUNG, DIE 2.
20.02.2024
Nach der Wanderruhe starten wir wieder ab Rabaçal zur nächsten Levada-Wanderung - diesmal eine sehr einfache Tour. Nun ja, sie wäre einfach gewesen, wenn wir uns nicht zu einem kleinen Abstecher zu einem Wasserbecken entschlossen hätten. Der Weg ist nicht als Wanderweg ausgeschildert, aber in der App Walk-me-Madeira sieht alles einfach aus.
Letztendlich müssen wir zu Beginn und am Ende des Abstechers auf einem Pfad quer durchs bergige Gelände und auch noch einen breiten Wildbach überqueren und dabei über Felsbrocken laufen. Fritz findet das easy, ich nicht.
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HAUPTSTADT FUNCHAL - DIE WANDERUNG
21.02.2024
Morgens ist es in Paul do Mar bedeckt, der Himmel Richtung Süden sieht besser aus. Tatsächlich scheint in der Hauptstadt Funchal uneingeschränkt die Sonne. Die Parkhaussuche gestaltet sich bei den vielen Einbahnstraßen und dem hektischen Verkehr etwas schwierig, doch schließlich parken wir unser Auto nur enige hundert Meter von der berühmten Markthalle Mercado dos Lavradores entfernt, direkt an der Küstenstraße.
Es wimmelt nur so vor Menschen, denn gleich drei Kreuzfahrtschiffe haben am Kai angelegt. Vermutlich latschen ungefähr 12.000 Kreuzfahrer mit uns durch die Straßen.
Der Mercado dos Lavradores ist bunt und groß, mit Fisch im Untergeschoss, vielen exotischen Früchten, Blumen, Weinen, T-Shirts, Ketten, Taschen & Co im Erd- und Obergeschoss. Die Preise sind den vielen Touristen angepasst, selbst bei Früchten gilt es aufzupassen. 40 €/kg sind keine Seltenheit.
Lange bleiben wir nicht, schlendern durch einige wenige Straßen, essen in einer Taverne die Spezialitäten Espada (Schwarzer Degenfisch aus der Tiefsee) und Bacalao (Trockenfisch) zu Mittag und beschließen dann, den botanischen Garten zu besuchen. Leider beschließen wir diesen Weg zu Fuß zu gehen. Wir ahnen nicht, dass wir über 2 Kilometer mit mehrfachen Treppen und Steigungen von 20% und mehr auf uns warten. Wir sind innerhalb kürzester Zeit durchgeschwitzt, die Beine mögen keine Treppen mehr, doch es ist kein Bus, kein Taxi in Sicht. Als wir endlich beim Tor des Botanischen Gartens ankommen, ist jegliche Vorfreude darauf erloschen, ich habe die Nase voll. Hier bekommen wir endlich ein Taxi, das uns nun zum Parkdeck zurückfährt. Der botanische Garten muss bis morgen warten.
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BOTANISCHER GARTEN - DIE ZWEITE
22.02.2024
Heute beginnt unsere Tour zum Botanischen Garten sehr viel bequemer als gestern. Wir nehmen die Seilbahn und genießen einen herrlichen Ausblick über die Stadt und den Hafen, in dem heute nur noch ein Kreuzschifffahrtschiff liegt.
Im botanischen Garten sind neben den einheimischen Pflanzen viele weitere aus aller Welt angepflanzt. Ob Blumen, Palmen, Kakteen oder Farne: alles in XXL.
Anschließend schauen wir uns noch die traditionionellen Korbschlittenfahrten an. Was Mitte des 19ten Jahrhunderts als schnelles Transportmittel eingeführt wurde, ist heute ein heftiger Touri-Rummel. Zwei traditionell gekleidete Schlittenführer rasen mit Holzschlitten und zwei Touristen mit bis zu 48 km/h zwei Kilometer die Straßen abwärts. Allein die Gummisohlen ihrer Stiefel sind die Bremsen. Ich finde, die Schlittenführer schauen alles andere als glücklich aus.
Nach der Rückfahrt mit der Seilbahn fühlen wir uns schnell wieder erschlagen vom Menschenrummel. Ein sehr kurzer Blick in die Gegend der Rua do Maria mit den verschiedenen kunstvollen Haustür-Bemalungen reicht uns angesichts der vielen Kellner, die uns zu den Tischen der Straßenlokale lotsen wollen. Wir starten gen Heimat Paul do Mar. Nur einen Abstecher machen wir noch auf dem Weg dorthin: Zum Cabo Girão Skywalk -die gläserne Aussichtsplattform auf einer der höchsten Steilküsten Europas muss man wohl einfach gesehen haben. Der Blick geht 580 Meter in die Tiefe.
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LEVADA-WANDERUNG OHNE STEIGUNG
23.02.2024
Fritz hat für heute eine Levada-Wanderung in ca. 630 m Höhe mit nur 30 m Höhenmetern herausgesucht. Ehrlich gestanden ist mein Bedarf an Steigungen und Treppenstufen langsam gedeckt. Wir entdecken unterwegs wieder viele Blumen, Orangen- Zitronen- und sogar Avocadobäume. In einer kleinen Taverne in Maloeira essen wir die erstem Empanadas unseres Lebens. Fritz Teigtasche ist mit Hackfleisch, meine mit Hühnchenfleisch gefüllt.
Auf der Rücktour nach Paul do Mar machen wir noch einen kurzen Abstecher ins Nachbardorf Jardim do Mar, das wir von unserem Balkon aus in der Ferne sehen können.
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DER NORDEN
24.02.2024
MIt dem Wetter haben wir bisher richtig Glück gehabt. Die Statistik spricht von Durchschnittstemperaturen von 13-20°C und acht Regentagen im Februar. Bisher hatten wir zwischen 20-24°C und noch keinen Regen erlebt. Wir haben den Eindruck, dass man auf Madeira schlechtem Wetter ausweichen kann. Ist es im Süden bewölkt, fährt man in den Norden und umgedreht. Möchte man Regen erleben, fährt man von der Küste in die Berge. Auch heute haben wir trotz mittelmäßiger Vorhersage 22 °C und es bläst ein erfrischender Wind, der uns zum Frühstück auf unserem Balkon wieder eine tolle Brandung präsentiert.
Über Ribeira Brava fahren wir über Schnellstraße und Tunnel nach Sao Vincente, der ersten Station unserer Rundtour durch den Norden. Die Brandung ist spektakulär und wir können bis nach Porto Moniz schauen. Über Ponta Delgado geht es weiter bis zur Seilbahn vor Santana. Sie ist vorübergehend geschlossen, doch der Blick in die Tiefe ist atemberaubend.
Die Berge um uns herum sind mit üppigster tropischer Vegetation ausgestattet. Es gibt kaum einen Fleck, der nicht bewachsen ist. Baumfarne, Bäume, Kakteen, Sukkulente, Palmen und Blumen soweit das Auge reicht. Überall wo es die Steigungen zulassen, haben die Menschen bepflanzte Terrassen angelegt mit Bananen, Wein, Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Zitronen, Orangen, Avocados, Maracuja, Papaya, Zuckerrohr, Annonen, Drachenfrucht und mehr. Die meisten tropischen Früchte haben wir bereits probiert und ich habe für die Heimreise bereits einen stattlichen Vorrat an Samen gesichert. Besonders die saftigen Annonen mit einem ganz eigenen Geschmack haben es mir angetan, hoffentlich bekomme ich in Kronsforde ein Bäumchen herangezogen.
Die letzte Station ist für heute Santana mit den traditionellen kleinen Häuschen "Casas Tipicas". Hier probieren wir das erste Mal - zu zweit ein Schnapsglas voll -"Poncha", ein traditionelles Mixgetränk mit Fruchtsaft, Honig und Zuckerrohrschnaps. Ist heftig viel Schnaps dabei.
In Paul do Mar hat unsere Nachbarin zwischenzeitlich Wäsche gewaschen. Ihre Art, Wäsche zu trocknen, lässt unseren Ausflug malerisch ausklingen.
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AUSBLICKE
25.02.2024
Unser Tag beginnt mit einem Frühstück auf der Terrasse und einem ungewöhnlichen Blick auf den Horizont. Wo normalerweise eine gerade Linie Wasser und Himmel trennt, ist heute eine unruhige wellige Linie. Dort draußen scheinen heftige Atlantikwellen zu toben.
Wir laufen heute eine neue Levadaroute durch die mit Farnen bedeckten Berge und den verkohlten Baumstämmen, die wir bereits bei unseren ersten Ausflügen gesehen hatten. Der Weg dorthin ist wieder voll explodierender Vegetation, auch mit uns noch unbekannten Blumen, die nun im Frühjahr ihre Knospen öffnen. Ein Berliner Paar erzählt uns, dass der Brand erst im letzten Oktober gewütet und viele Berghänge betroffen hatte. Angesichts dieser kurzen Zeit hat das Grün schon wieder heftig an Überhand gewonnen.
Unser Ausflug endet nochmals an Europas steilster Seilbahn. Heute ist sie in Betrieb, aber 600 Meter bei 98% Steigung können uns irgendwie nicht überzeugen. Wir lassen die anderen fahren und genießen nur den Ausblick.
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LEVADA NOVA
27.02.2024
Unsere letzte Wanderung auf Madeira hat besonders lange steile Abschnitte. Die Levada Nova beginnt oberhalb Porto do Sol und verläuft in 400 Metern Höhe, meist am Berghang entlang. Bei dieser Wanderung kann man Höhenangst entwickeln. Steile Felswand - 70 cm Levadagraben - 70 cm Weg - Abgrund. An nur wenigen Stellen gibt es ein Geländer und manchmal ist der Weg halb weggebrochen.
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TSCHÜSS MADEIRA
28.02.2024
Ein beeindruckendes Kunstmuseum in Calheta, ein letzter Einkauf im Supermarkt, noch einmal Fisch in unserer Eck-Taberna und nun sind unsere Koffer gepackt.
Wir freuen uns auf Kronsforde.
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